Großer Preis von Ungarn 2017 - Vorschau

24.07.2017
Brackley

Die Saison 2017 geht auf dem Hungaroring in ihre elfte Runde

  • Toto über Ungarn
  • Feature der Woche: Kühlen Kopf bewahren
  • Stat-Attack: Ungarn und mehr

Toto über Ungarn

Wir haben die Halbzeitmarke in der Saison 2017 erreicht und beide Weltmeisterschaften sind noch immer offen. Ein Blick auf den Punktestand zeigt, dass wir einen kleinen Vorsprung in der Konstrukteurs-Wertung und einen kleinen Rückstand in der Fahrer-Wertung haben. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt nicht wichtig. Denn es gibt keine Pokale für die Halbzeitmeister.

Wir blicken von Wochenende zu Wochenende, um unsere Performance auf jeder Strecke auf ruhige und logische Weise aufzubauen und weiter zu pushen. Die Zeit, um sich über die Punkte Gedanken zu machen, kommt erst später. Wenn ich die Flure in unseren Werken entlang gehe, spüre ich eine Energie und Entschlossenheit wie noch nie zuvor. Es ist inspirierend, wie unser Team diesen Titelkampf angeht.

Die erste Saisonhälfte verlief für uns gemischt. Uns war vom ersten Test an klar, dass uns ein Kampf mit Ferrari erwarten würde. Schon bald konnten wir erkennen, dass diese Saison sich zu einem echten Klassiker entwickeln könnte. Wir hatten einen holprigen Start, weil wir nicht das richtige Setup-Fenster fanden, in dem unser Auto funktionierte. Dann hatten wir ein schwaches Wochenende in Monaco. Aber man lernt bekanntlich mehr aus Niederlagen als aus Siegen. Wir nutzten diese Lehren auf die richtige Art und Weise und ab diesem Moment rissen wir das Steuer herum.

Unsere Fahrer waren bislang eine unserer größten Stärken. Lewis lieferte in diesem Jahr in China, Kanada und besonders Silverstone perfekte Leistungen ab. Der Sieg vor seinem heimischen Publikum war besonders emotional und ich bin sicher, dass er diese Energie mitnehmen wird. Beinahe an jedem Wochenende stellt er Rekorde ein oder neue auf – damit baut er sich ein Vermächtnis als einer der größten Fahrer unseres Sports auf. Budapest war schon immer eine Strecke, die ihm gelegen hat. Aber niemand weiß besser als er selbst, dass die Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Leistungen ist. Alles dreht sich um die richtige Vorbereitung, harte Arbeit und das Abrufen der Performance, wenn es darauf ankommt.

Im anderen Auto verkörpert Valtteri finnische Entschlossenheit und Kampfgeist. Er besitzt eine starke Arbeitsmoral, eine unbeugsame Herangehensweise und ein riesiges Talent. Er warf sich in die Herausforderung des Teamwechsels und jetzt sehen wir, wie sich sein volles Potential zu entfalten beginnt. Ich habe das Gefühl, dass er mit jedem Wochenende besser wird und bereits ein reiferer Fahrer als zu Beginn der Saison ist. Ich bin gespannt, wie er sich im Rest der Saison weiterentwickeln wird.

Jetzt geht es zum letzten Rennen vor der Sommerpause nach Budapest. Hinter uns liegt ein fantastisches Wochenende in Silverstone, aber das ist jetzt nur noch eine schöne Erinnerung. Ab dem ersten Training in Ungarn müssen wir nun die Leistung erneut abrufen. Unsere Rivalen werden entschlossen sein, sich stark zurückzumelden – darauf müssen wir uns einstellen. Bei Mercedes gibt es keinerlei Selbstgefälligkeit, nur die absolute Entschlossenheit, hier einen guten Job zu machen.

Feature der Woche: Kühlen Kopf bewahren

Formel 1-Autos sind launische Biester, die dafür gebaut wurden, bei hohen Geschwindigkeiten zu funktionieren und G-Kräften standzuhalten, die sie bis ans Äußerste belasten. Sie gehören zu den fortschrittlichsten Rennfahrzeugen, die jemals konzipiert wurden. Dennoch bleibt ein scheinbar einfacher Gegner ihre größte Herausforderung – die Hitze. F1-Autos besitzen ein Hauptarbeitsfenster, innerhalb dessen ihre Kühlungskapazitäten an die Umgebungstemperatur angepasst werden können. Sollten sie aus diesem Bereich herausrutschen, summieren sich die Probleme jedoch schnell auf. Flüssigkeiten werden kritisch, Bremsen glühen und sowohl Motor als auch Getriebe werden belastet.

Oberflächlich betrachtet ist die Lösung für Überhitzung einfach. Man öffnet die Verkleidung und vergrößert damit die Durchflussmenge sauberer Luft durch die Kühleinlässe. Im Durchschnitt saugen F1-Autos bei einer Geschwindigkeit von 300 km/h jede Sekunde fünf Kubikmeter an Luft durch die Kühler ein. Aber das ist die erste Herausforderung, um ein modernes Grand Prix-Fahrzeug im richtigen Arbeitsfenster zu halten. Jeder Versuch, die Kühlung zu beeinflussen, erfordert einen Verzicht auf aerodynamische Performance. Das Bodywork zu öffnen, kostet ungefähr 300 Millisekunden pro 0,5 Kubikmeter an Kühlluft – da die Luft in die Kühler anstatt über den Heckflügel oder unter das Auto und zum Diffusor hin geleitet wird. Die Teams müssen die richtige Balance zwischen Kühlung und aerodynamischer Performance finden, besonders bei einem Performance-Verlust, der auf einer aerodynamisch sensiblen Strecke bis zu einer Sekunde pro Runde betragen kann.

Die Anforderungen an die Kühlung werden schon früh im Leben eines neuen Autos festgelegt. Dabei ist das Design der Kühler – sowohl was die Form als auch die Größe betrifft – fest in das Chassisdesign eingebunden. Wer die Aufgabe hier unterschätzt, muss schon bald an einem kühlen Morgen in Barcelona die Winkelschleifmaschinen zum Einsatz bringen, um auf diese Weise das Bodywork des Autos weiter zu öffnen.

Die Teams absolvieren vor jedem Rennwochenende komplexe Simulationen, um sich auf die verschiedenen Kühlungsanforderungen der 20 unterschiedlichen Strecken im Rennkalender einzustellen. Das enge, mittelschnelle Streckenlayout am Hungaroring stellt zum Beispiel andere Ansprüche an die Kühlung als beispielweise Monza mit seinen langen Geraden. Für jede zusätzliche Kühlungsstufe geht etwas aerodynamische Performance verloren, was schlussendlich Rundenzeit kostet.

Im Kampf gegen die Überhitzung bringen die Teams ein Arsenal an Teilen zu jedem Rennen mit, um potentielle Schwierigkeiten abzudecken, die zum Beispiel durch eine falsch eingeschätzte Einstellung für die Umgebungstemperatur hervorgerufen werden können. Viele Autos besitzen eine Reihe an Luftschlitzen entlang des Cockpitrands. Diese können ausgetauscht werden, um verschiedene Stufen an Kühlung zu bieten. Zudem gibt es speziell geformtes Heck-Bodywork für besonders fordernde Rennen.

Zu Beginn des ersten Trainings sollten die Teams bereits eine Vorstellung davon haben, was sie erwartet. Dann können sie den Fahrern bereits Rückmeldung zu möglichen Problemen geben – zum Beispiel wenn die Bremsen heißer als erwartet sind. Hier können die Fahrer einen Unterschied ausmachen, indem sie Motoren-Einstellungen wechseln oder per „Lift and Coast“ („Fuß vom Gas und rollen lassen“ ) die Temperaturen kontrollieren. Wenn ein Fahrzeug aus dem Windschatten eines anderen Autos herauszieht, ist das ein Anzeichen dafür, dass der Fahrer mit einem überhitzenden Fahrzeug oder Bremsen zu kämpfen hat.

Der Umgang mit den Temperaturen ist eine Kunst für sich. Die Teams verteilen die Kühlung dabei auf verschiedene Schlüsselkomponenten, zu denen die Flüssigkeiten im Fahrzeug wie Motorwasser, Getriebeöl sowie die Bremsen zählen. Die F1-Teams gehen bei den Bremsen bis ans Limit von bis zu 1.200°C. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn sich Fahrer darüber beschweren, dass ihre Bremsen kochend heiß sind. Ladeluft – die verdichtete Luft aus dem Turbo – muss ebenfalls gekühlt werden, bevor sie wieder durch den Motor geleitet wird. Dies optimiert die Leistungsausbeute und verhindert, dass Komponenten beschädigt werden. Mit der Einführung von KERS im Jahr 2009 (und noch mehr seit dem Beginn der Hybrid-Ära im Jahr 2014) muss auch noch ein weiterer Faktor beachtet werden: die Temperaturkontrolle des ERS Energiespeichers.

Mexiko und Ungarn stellen wohl die größten Herausforderung an die Kühlung dar – allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Mexiko ist wegen der Höhenlage hart. Die dadurch resultierende niedrigere Luftdichte – 783.3 Millibar auf mehr als 2.000 Metern – bedeutet, dass weniger Luftmasse durch die Kühler strömt. Um dem entgegenzuwirken, muss der Kompressor des Motors härter arbeiten. Das erzeugt mehr interne Hitze und verlangt somit nach zusätzlicher Kühlung.

Ungarn stellt aufgrund der hohen Umgebungstemperaturen – in den vergangenen fünf Saisons durchschnittlich 32°C mit einem Höchstwert von 35°C – sowie der Streckencharakteristik eine andere Herausforderung dar. Der enge, winklige Kurs ist nicht hart zum Motor. Aber das Fehlen von langen Geraden im Zusammenspiel mit dem dichten Verkehr, der durch die mangelnden Überholmöglichkeiten entsteht, bedeutet, dass die Autos nicht die nötige saubere Luft erhalten, die sie zur Kühlung benötigen.

Was sind nun die Folgen der Überhitzung? Einfach ausgedrückt ein Performance-Verlust. Das beste Beispiel dafür war Sotschi. Während Valtteri an der Spitze in sauberer Luft gewinnen konnte, hatte Lewis mit schwankenden Temperaturen hinter dem Ferrari von Kimi Räikkönen zu kämpfen. Zudem: Wenn das Auto zu stark an die Grenzen getrieben wird, bleibt es letztendlich stehen – oftmals auf ziemlich spektakuläre Art und Weise. Ein Defekt an der Kontrollelektronik an beiden Silberpfeilen – mit nur einer Runde Abstand – kostete das Team beim Kanada Grand Prix 2014 einen Doppelsieg. Damals fiel Lewis aus und Nico erkämpfte sich Platz zwei.

Nächste Station: Ungarn. Mit etwas Glück kann das Team etwaige mollig warme Erlebnisse vermeiden. Dabei gilt es für alle, sich der Herausforderung zu stellen, in der brütenden Hitze von Budapest einen kühlen Kopf zu bewahren...

Stat-Attack: Ungarn und mehr

Ungarn Grand Prix 2017 - Zeitplan

Session

Ortszeit (CEST)

Brackley (BST)

Stuttgart (CEST)

Training 1 (Freitag)

10:00 – 11:30

09:00 – 10:30

10:00 – 11:30

Training 2 (Freitag)

14:00 – 15:30

13:00 – 14:30

14:00 – 15:30

Training 3 (Samstag)

11:00 – 12:00

10:00 – 11:00

11:00 – 12:00

Qualifying (Samstag)

14:00 – 15:00

13:00 – 14:00

14:00 – 15:00

Rennen (Sonntag)

14:00 – 16:00

13:00 – 15:00

14:00 – 16:00

 

Strecken-Bilanz – Silberpfeile auf dem Hungaroring

 

Rennstarts

Siege

Podiums

Pole

Positions

Erste Startreihe

Schn. Runden

Silberpfeile

7

2

4

4

6

1

Lewis Hamilton

10

5

6

5

7

0

Valtteri Bottas

4

0

0

0

0

0

Mercedes-Benz Power

23

10

18

10

18

5

 

Technische Stats – Bisherige Saison (Barcelona Wintertest 1 bis heute)

 

Runden absolviert

Distanz absolviert (km)

Gangwechsel

Petronas

Benzineinspritzungen

Kurven durchfahren

Silberpfeile

4.413

21.631,06

216.027

176.520.000

70.751

Lewis Hamilton

2.099

10.298,91

102.765

83.960.000

33.626

Valtteri Bottas

2.314

11.332,15

113.262

92.560.000

37.125

Mercedes-Benz Power

12.483

61.301,50

612.815

499.320.000

200.144

 

Bilanz – Silberpfeile in der Formel 1

 

Rennstarts

Siege

Podiums

Pole

Positions

Erste Startreihe

Schn. Runden

Doppel-Siege

Silberpfeile

158

70

141

81

143

53

38

Lewis Hamilton

198

4

110

67

112

37

-

Valtteri Bottas

87

2

16

2

6

1

-

Mercedes-Benz Power

429

156

408

146

322

148

63

Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Großbritannien 2017. Valtteri Bottas
M82249


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