Fahrerlager-Geschichten – Stoffel Vandoorne: „Es gibt immer Wege, um sich zu verbessern“

09.12.2021
Stuttgart

Der Höhepunkt naht: Beim 22. und letzten Rennen der Formel 1-Saison 2021 in Abu Dhabi fallen am kommenden Wochenende die Entscheidungen in beiden Weltmeisterschaften

  • Das ist passiert: Ergebnisse & Fakten
  • Neuigkeiten aus den Mercedes-AMG Motorsport-Teams
  • 5 Fragen an Stoffel Vandoorne

Das ist passiert: Ergebnisse & Fakten

  • Formel 1: Lewis Hamilton gewinnt die Rennpremiere in Saudi-Arabien, Valtteri Bottas komplettiert das Podium auf Platz 3
  • Formel 1: Lewis Hamilton und Max Verstappen sind vor dem WM-Finale in Abu Dhabi punktgleich in der Fahrer-Wertung, das Mercedes-AMG Petronas F1 Team baut seine Führung in der Konstrukteurs-WM aus

Newssplitter

Zahlen & Fakten aus Dschidda: Am vergangenen Wochenende gastierte die Formel 1 zum ersten Mal in Saudi-Arabien – und das Nachtrennen auf dem Jeddah Corniche Circuit entpuppte sich als ein echter Thriller! Bereits am Samstag fuhren Lewis Hamilton und Valtteri Bottas in die erste Startreihe. In einem dramatischen Rennen, das von mehreren roten Flaggen, Restarts und Safety-Car-Phasen geprägt wurde, setzte sich Lewis nach einem harten Kampf gegen seinen WM-Rivalen Max Verstappen durch und überquerte als erster Sieger in der Geschichte des Saudi-Arabien GP die Ziellinie. Für Lewis waren es die 103. Pole Position und der 103. GP-Sieg in seiner Formel 1-Karriere. Valtteri fuhr in seinem 100. Rennen für das Mercedes F1 Team zum 58. Mal aufs Podium. Alles in allem war es sein 67. Podestplatz in der Königsklasse des Motorsports. Lewis fuhr zudem die schnellste Rennrunde und sicherte sich damit einen Zusatzpunkt in der Weltmeisterschaft, in der er vor dem Finale in Abu Dhabi punktgleich mit Max Verstappen an der Spitze der Fahrerwertung steht (beide 369,5 Punkte). Das Team baute mit dem Doppelpodium in Dschidda seinen Vorsprung in der Konstrukteurs-WM vor Red Bull auf 28 Zähler aus.

Auf zum Finale: Am kommenden Wochenende geht es für den Formel 1-Tross direkt weiter zum Saisonfinale in Abu Dhabi. Der Große Preis von Abu Dhabi ist seit der Saison 2009 fester Bestandteil des Formel 1-Rennkalenders und wird 2021 zum 13. Mal ausgetragen. Für diese Saison wurde die Strecke an einigen Stellen modifiziert und umgebaut. Die Strecke ist nun mit 5,281 km knapp dreihundert Meter kürzer, soll aber mehr Überholmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig steigt die Rundenanzahl im Rennen von 55 auf 58 Runden an. Der Yas Marina Circuit war zwischen 2014 und 2019 ein gutes Pflaster für das Team, auf dem es insgesamt sechs Siege einfahren konnte: Vier mit Lewis und je einen mit Valtteri sowie Nico Rosberg. Im vergangenen Jahr gewann Max Verstappen im Red Bull das letzte Saisonrennen in Abu Dhabi. Valtteri und Lewis belegten die Plätze zwei und drei.

F1 Know-how als Hilfe für Adams LEJOG Challenge: Adam Stanton-Wharmby sitzt in Folge von Zerebralparese in einem elektrisch betriebenen Rollstuhl und hat sich zum Ziel gesetzt, die Herausforderung zu meistern, nur mit seinem Rollstuhl von Lands End nach John O'Groats zu fahren. Damit möchte er darauf aufmerksam machen, mit welchen Schwierigkeiten sich die Benutzer von elektrisch angetriebenen Rollstühlen klarkommen müssen. Um diese Reise zurücklegen zu können, benötigte seine Ausrüstung jedoch ein Upgrade. Und hier kommt das Mercedes-AMG Petronas F1 Team ins Spiel. Die Herausforderung inspirierte die Ingenieure des Teams, die sogleich mehrere Schlüsselbereiche ausmachten, die an Adams Stuhl optimiert werden konnten. Darunter die Sitzposition, die Batterie-Reichweite und das Gewicht. Als großer Formel 1-Fan ist Adam hin und weg von seinem verbesserten Rollstuhl: „Jedes Mal, wenn ich in dem Stuhl sitze, habe ich ein breites Grinsen im Gesicht. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass das Mercedes F1 Team, das ich seit seinem Formel 1-Einstieg unterstütze, meinen Rollstuhl für mich verbessert hat.“ Weitere Informationen über Adams Reise finden Sie auf seiner JustGiving Seite und auf unserer Webseite.

Saison 8 ruft: Dreieinhalb Monate nach dem Finale von Saison 7 in Berlin absolvierte das Mercedes-EQ Formel E Team in der vergangenen Woche in Valencia die offiziellen Wintertestfahrten der Rennserie. An drei Testtagen waren alle elf Teams der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft auf dem Circuit Ricardo Tormo im Einsatz. Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries legten mit dem Mercedes-EQ Silver Arrow 02 zusammen 452 Runden respektive 1.526 Testkilometer zurück – die meisten aller Teams. Dabei entfielen jeweils exakt 226 Runden auf die beiden Fahrer, die damit auch die meisten Runden aller teilnehmenden Piloten absolvierten. Der Test stand ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Saison 8, deren Saisonstart für den 28. und 29. Januar 2022 in Diriyah vorgesehen ist. Das Hauptaugenmerk des Teams lag darauf, die nötigen Abläufe und Prozesse einzuüben und so viel Rennpraxis wie möglich zu sammeln. Dazu zählten auch die erste Generalprobe des neuen Qualifying-Formats sowie eine Rennsimulation, in deren Rahmen die Fahrer erstmals in einer rennähnlichen Situation auf die in der kommenden Saison erhöhte Leistung zurückgreifen konnten.

5 Fragen an Stoffel Vandoorne

Stoffel, Du hast in der vergangenen Saison die meisten Pole Positions eingefahren. Wie schwierig ist es, für diese eine Runde alles perfekt hinzubekommen?

Stoffel Vandoorne: Es ist definitiv nicht einfach. Zunächst einmal besteht das Qualifying in der Formel E aus nur einer Runde, was den Fahrer zusätzlich unter Druck setzt, um Leistung abzuliefern. Denn man hat nur diesen einen Versuch. Aber ich mag das, mir gefällt dieser Druck, das Adrenalin, das dadurch freigesetzt wird. Es ist entscheidend, eine Runde perfekt zusammenzubekommen, da wir auf der Out-Lap oft sehr langsam fahren müssen. Dadurch bekommt man aber kein Gefühl für den Grip, der uns in der ersten Kurve erwartet. Deshalb basiert die Herangehensweise an die erste Kurve oft auf einer Vermutung. Wo muss ich bremsen? Wie viel Grip gibt es? Und: Wie schnell kann ich in die Kurve hineinfahren? Sobald man diesen Referenzpunkt hat, wird der Rest der Runde ein bisschen einfacher, aber es herrscht immer noch sehr viel Druck.

In dieser Saison gibt es ein neues Qualifying-Format mit mehreren Head-to-Head-Duellen. Setzt das die Fahrer mental stärker unter Druck? Freust du dich auf diese zusätzliche Herausforderung?

Stoffel Vandoorne: Auf jeden Fall. Ich bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob die Kopf-an-Kopf-Duelle wirklich etwas verändern werden. Ich glaube nämlich nicht, dass wir darüber nachdenken werden, wenn wir im Auto sitzen. Wir werden uns hauptsächlich darauf konzentrieren, das Beste aus dem Auto herauszuholen. Das wird der Schlüssel sein. Zuvor gibt es natürlich die Gruppenphase, in der sich die Herangehensweise ein bisschen unterscheiden wird, weil wir mehrere fliegende Runden fahren können. Dadurch wird das Feld hoffentlich ausgeglichener, bevor es dann in die Kopf-an-Kopf-Duelle geht. Das wird interessant und ich glaube, dass das Format Spaß machen wird, besonders wenn man bis zum Finale dabei ist und dann gegeneinander um die Pole Position kämpft.

Eine weitere große Herausforderung in der Formel E ist das Energie-Management. Wie viel anspruchsvoller wird das Fahren für Dich durch die neuen Regeln mit mehr Leistung und möglichen Rennzeitverlängerungen?

Stoffel Vandoorne: Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob es einen großen Einfluss auf das Racing haben wird. Die Verlängerung des Rennens ist für die Zuschauer aber sicher logischer und einfacher zu verstehen, als die zur Verfügung stehende Energie zu verringern. Wenn wir also Zeit hinter dem Safety Car verbringen, fahren wir hinterher ein längeres Rennen. Ich finde, das ist eine gute Erklärung für die Zuschauer. Wenn das Rennen unterbrochen wird, fahren wir länger - das macht mehr Sinn als das, was wir letztes Jahr hatten. Die zusätzliche Leistung, die uns nächste Saison zur Verfügung steht, wird es ein bisschen kniffliger machen, besonders im Hinblick auf das Energie- und Reifenmanagement. Das Management der Hinterreifen wird schwieriger ausfallen. Deshalb müssen wir wahrscheinlich ein bisschen sanfter mit den Reifen umgehen. Gleiches gilt für die Energie, von der wir etwas mehr verlieren werden. Ich denke, dadurch müssen wir über das gesamte Rennen hinweg etwas präziser fahren.

Du gehst in Deine dritte Saison mit dem Team, wie sehr hilft die Kontinuität Dir und den Ingenieuren bei der Zusammenarbeit?

Stoffel Vandoorne: Kontinuität ist in der Formel E immer eine gute Sache, da die Abstände zwischen den Fahrern und Teams sehr gering sind. Deshalb ist es sehr wichtig, ein gutes Verhältnis zu deiner Crew aufzubauen. Du musst dein Gegenüber richtig verstehen lernen. Was brauchst du vom Auto, um es zu verbessern und Leistung zu bringen? Diese Dinge sind sehr hilfreich. Mich erwartet in diesem Jahr in dieser Hinsicht eine zusätzliche Herausforderung, da ich mit einem anderen Renningenieur zusammenarbeiten werde. Daran müssen wir uns beide erst gewöhnen und aufeinander einstellen. Er muss lernen, was meine Kommentare bedeuten, wie ich das Auto beschreibe und umgekehrt. Aber er besitzt viel Erfahrung in der Formel E und ich bin sicher, dass wir diesen Prozess schnell durchlaufen werden. Ich freue mich darauf zu sehen, wie sich unsere Beziehung entwickeln wird.

Wie setzt ihr immer wieder neue Reizpunkte, um Euch auch nach Jahren der Zusammenarbeit immer weiter zu verbessern?

Stoffel Vandoorne: Es gibt immer Wege, um sich zu verbessern. Das Reglement bleibt stabil, aber als Rennteam suchen wir immer nach Verbesserungsmöglichkeiten. Egal, ob diese von den Fahrern oder dem Team stammen. Wir diskutieren oft neue Ideen miteinander, etwa ob sie vernünftig sind, ob wir zu viel Zeit damit verschwenden oder ob sie am Ende bessere Rundenzeiten bringen. Ja oder nein? Schlussendlich geht es genau darum. Wir möchten, dass die Ideen bessere Rundenzeiten ermöglichen. Das ist am wichtigsten für uns. In diesem Jahr kommt für uns wie gesagt die zusätzliche Herausforderung hinzu, dass wir nach Brackley umziehen. Dadurch gibt es einige Neuerungen, wie etwa einen neuen Simulator und viele Aufgaben, die wir bis zum Saisonstart erledigen müssen. Es gibt über den Winter viel zu tun, vielleicht sogar noch mehr als in der Vergangenheit. Warten wir ab, wie es sich nächste Saison entwickelt.

Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Nyck de Vries
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne
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Formel E – Mercedes-EQ Formel E Team, Valencia Tests 2022. Stoffel Vandoorne
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Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Saudi-Arabien 2021. Lewis Hamilton
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Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Saudi-Arabien 2021. Valtteri Bottas
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Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Saudi-Arabien 2021. Lewis Hamilton
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Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Saudi-Arabien 2021. Lewis Hamilton
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Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Saudi-Arabien 2021. Valtteri Bottas
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Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Saudi-Arabien 2021. Lewis Hamilton
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Stoffel Vandoorne (BEL), Mercedes Benz EQ
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