Der Aschenbecher: Mercedes-Benz Museum Inside Nr. 18/2020

Der Aschenbecher: Mercedes-Benz Museum Inside Nr. 18/2020

30.10.2020
Stuttgart
  • Utensilien für den Tabakgenuss im Auto – dem Wandel unterworfen
  • In der Vorkriegszeit ein Zubehörteil, danach in die Instrumententafel integriert und heute als Raucherpaket zu bestellen
  • „33 Extras“: Exponate der Automobilkultur im Mercedes-Benz Museum

Stuttgart. 160 Fahrzeuge und insgesamt 1.500 Exponate präsentiert die vielfältige Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums. Ein besonderer Bestandteil sind die „33 Extras“: Sie lassen am Beispiel oft überraschender Details Mobilitätshistorie und Automobilkultur lebendig werden. Die Newsletter-Reihe Mercedes-Benz Museum Inside lenkt den Blick auf die „33 Extras“ und bringt ihre Geschichten auf den Punkt. In der heutigen Folge geht es um den Aschenbecher.

18/33: Der Aschenbecher

1 – Tabakgenuss: Für manchen gehört der blaue Dunst zum Autofahren. Er wird dann ein Raucherpaket fürs Fahrzeug ordern, das die Hersteller von Personenwagen und Nutzfahrzeugen meist anbieten. Standardausstattung heute hingegen ist statt eines Aschenbechers ein praktisches zusätzliches Ablagefach.

2 – Gesellschaftlicher Wandel: In den 1920er- und 1930er-Jahren ist Rauchen ein Ausdruck von Modernität, und vielfach gehört Tabakgenuss quasi zum guten Ton. Und es gilt damals mitunter sogar als unhöflich, keine Möglichkeit für den Tabakgenuss zu bieten. Das hat sich heute gewandelt: Wenn Kinder im Auto sind, ist das Rauchen sogar in mehreren europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Österreich verboten – Belgien wird 2021 folgen. Der in Mercedes-Benz Neufahrzeugen nicht mehr serienmäßige Aschenbecher ist ein Sinnbild dieses Wandels.

3 – Rauchen unterwegs: In den ersten Jahren des Automobils dominieren offene Karosserien, und die Asche wird einfach noch über Bord geschnippt. Als dann ab etwa 1910 beispielsweise die Aufbauvarianten Stadtcoupé und Landaulet aufkommen, sitzt der Chauffeur zwar weiterhin im Freien, doch für das Rauchen im Passagierabteil ist nun ein Aschenbecher sinnvoll. Ab der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre zeigen zeitgenössische Fotos in Pullman-Limousinen von Mercedes-Benz bereits Aschenbecher im Fond.

4 – Aufgesetzt: Die ersten Aschenbecher sind noch nicht in die Oberflächen des Interieurs integriert, sondern werden darauf montiert. Auch der Zubehörhandel bietet Nachrüstlösungen in verschiedenen Ausführungen – bis hin zum edlen Gefäß aus Glas. Das historische Exponat aus der Reihe „33 Extras“ des Mercedes-Benz Museums ist so ein Zubehörteil, das an passender Stelle angebracht wird.

5 – Eingepasst: Seit Anfang der 1930er-Jahre berücksichtigen die Stilisten der damaligen Daimler-Benz AG ‒ so heißen Designer damals ‒ den Aschenbecher als festen Bestandteil des Interieurs bei Mercedes-Benz Fahrzeugen. Auch, um über eine klare Bedienung die Ablenkung für den Fahrer bestmöglich zu reduzieren. Über die Jahre findet eine Evolution statt: Zunächst ist der Aschenbecher zwar in die Instrumententafel integriert, aber offen sichtbar. Erst ab den 1950er-Jahren setzt sich der hinter einer Klappe verborgene Aschenbecher durch. Der Behälter lässt sich für ein einfacheres Leeren üblicherweise herausnehmen.

6 – Erglimmen: Der heutige Ausstattungsposten „Raucherpaket“ umfasst in der Regel einen elektrischen Anzünder sowie einen Aschenbecher. Der Anzünder wird in die Stromanschlussbuchse gedrückt, ein Kontakt schließt sich, wenige Augenblicke später springt der Knopf wieder nach vorn – und der Anzünder ist heiß und glüht feuerrot. Ins Exponat des Museums ist ein ähnlich funktionierender Anzünder integriert: Über einen Schalter wird dabei der Stromkreis für den runden Anzünder geschlossen.

7 – Stromanschluss fürs Laden: Die Buchse moderner elektrischer Anzünder wird auch in Nichtraucherautos verwendet – und das heute intensiver als je zuvor. Denn an dieser Schnittstelle zur Stromversorgung des Fahrzeugs lassen sich mit dem entsprechenden Adapter allerlei mobile Endgeräte laden.

Anzünden und Entsorgen: der Aschenbecher – eines von „33 Extras“ im Mercedes-Benz Museum. Die Funktionsweise: Über einen Schalter wird der Stromkreis für den runden Anzünder geschlossen, der unten im kalten Zustand silbrig glänzt und dann nach und nach erglüht. Die Asche wird oben in den Behälter gestreift. Den Aschenbecher montiert man an eine freie Stelle im Fahrzeug. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: D587944)
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Anzünden und Entsorgen: der Aschenbecher – eines von „33 Extras“ im Mercedes-Benz Museum. Die Funktionsweise: Über einen Schalter wird der Stromkreis für den runden Anzünder geschlossen, der unten im kalten Zustand silbrig glänzt und dann nach und nach erglüht. Die Asche wird oben in den Behälter gestreift. Den Aschenbecher montiert man an eine freie Stelle im Fahrzeug. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: D587945)
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Benz Pullman-Karosserie: Blick in den rechten Fond mit fein längs gemustertem Stoff, gläsernem Aschenbecher und Mikrofon zur Fahrerkommunikation. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: H1738)
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Mercedes-Benz 200 D der Baureihe W 115, Baujahr 1973. Aschenbecher und Zigarettenanzünder in der Mittelkonsole. Die Ascheschublade ist herausnehmbar. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: U77893)
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Mercedes-Benz der Baureihe W 108. Aschenbecher und Zigarettenanzünder in der linken Fondtür. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: 00163780)
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Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe 140. Aschenbecher in der Mittelkonsole. Die Abdeckklappe schwingt nach einem leichten Fingerdruck auf. Foto aus dem Jahr 1990. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: A90F1908)
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Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe 140. Aschenbecher in der Mittelkonsole. Die Abdeckklappe schwingt nach einem leichten Fingerdruck auf. Foto aus dem Jahr 1990. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: A90F1909) 140 model series Mercedes-Benz S-Class. Ashtray in the centre console. The cover flap moves upwards at the slight press of a finger. Photo from 1990. (Photo signature of the Mercedes-Benz archives: A90F1909)
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