Mercedes-Benz S-Klasse und Vorgängerbaureihen seit 1951

02.09.2020
Stuttgart

Die Mercedes-Benz S-Klasse hat eine einzigartige Tradition. Denn Fahrzeuge der Luxusklasse bilden seit den Ursprüngen der Marke Mercedes zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schwerpunkt der Modellpalette. Das Segment der Oberklasse und Luxusklasse hat Mercedes-Benz von Beginn an dominiert und damit die Automobilentwicklung jeder einzelnen Epoche wie kaum eine andere Marke geprägt. Eine kontinuierliche Historie gibt es seit dem Jahr 1951.

Für Kunden, die über den repräsentativen Charakter der S-Klasse hinaus ein ausgesprochenes Repräsentationsfahrzeug benötigen, hält die Marke ebenfalls in allen Epochen ein entsprechendes Angebot bereit. In der Nachkriegszeit dominieren beispielsweise zunächst der Mercedes-Benz 300 (W 186, W 189) und der 600 (W 100) die Spitzenklasse in ganz besonderem Maß. Diese hochkarätigen Automobile zeigen zu ihrer Zeit das technisch Machbare und sind im Produktportfolio oberhalb der S-Klasse positioniert. Seit 2014 führt dieses Erbe die Mercedes-Maybach S-Klasse erfolgreich weiter und legt die Messlatte in Sachen Komfort, Luxus und Prestige noch ein Stück höher.

Vom W 187 zum „Ponton-Mercedes“ (1951 bis 1959)

In der Nachkriegszeit beginnt die direkte Ahnenreihe der S-Klasse mit dem Typ 220 (W 187), mit dem Mercedes-Benz 1951 – sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und nachdem die erste Phase des Wiederaufbaus abgeschlossen ist – das Segment der Oberklasse wieder besetzt. 1954 folgt ein grundlegend neues Modell mit der gleichen Typenbezeichnung. Dieser neue Typ 220, intern auch 220 a (W 180) genannt, ist das erste Mercedes-Benz Sechszylindermodell in selbsttragender Bauweise. Seine moderne und geräumige Ponton-Karosserie bietet einen bislang nicht gekannten Raumkomfort. Mit dem überarbeiteten, leistungsstärkeren Typ 220 S hält 1956 der Buchstabe „S“ dauerhaft Einzug in die Nomenklatur der Mercedes-Benz Oberklasse und unterstreicht den Sonderklasse-Status des Ponton-Sechszylinders. 1958 debütiert der 220 SE (W 128) und damit eine weitere, dank Benzineinspritzung noch leistungsstärkere Variante des Oberklassemodells. Wie bei der ein Jahr zuvor eingeführten neuen Variante der Repräsentationslimousine Mercedes-Benz 300 (intern 300 d, W 189) ist die leistungs- und effizienzsteigernde Technologie als Saugrohreinspritzung ausgeführt.

Von der „Heckflosse“ zur Hochleistungslimousine (1959 bis 1972)

Die 1959 eingeführten „Heckflosse“-Modelle“ 220, 220 S und 220 SE (W 111) erhalten ihren Beinamen nach den dezenten Heckflossen, welche die hinteren Kotflügel zieren und die wegen ihrer Funktion als Einparkhilfe offiziell „Peilstege“ genannt werden. Die neue Oberklasse-Generation ist ein ganz besonderer Meilenstein der Automobilgeschichte, weil hier die von Béla Barényi erdachte Sicherheitskarosserie mit Knautschzonen und stabiler Fahrgastzelle erstmals in einem Serienautomobil umgesetzt wird. Das 1961 präsentierte Topmodell der Modellreihe 300 SE (W 112) ist serienmäßig mit Luftfederung und dem neu entwickelten Automatikgetriebe von Mercedes-Benz ausgerüstet. Dieser Typ begründet 1963 in seiner Langausführung eine neue Tradition in den Oberklasse-Limousinen von Mercedes-Benz: Der 100 Millimeter längere Radstand bietet den Fondpassagieren ein deutliches Plus an Beinfreiheit und Reisekomfort. Die Limousinen der Baureihe 108 und 109, welche die „Heckflossen-Modelle“ 1965 ablösen, zeichnen sich durch ein zeitlos-elegantes Design und großzügig dimensionierte Fensterflächen aus. Neben den Modellen mit konventioneller Stahlfederung – intern der Baureihe 108 zugeordnet – gibt es luftgefederte Varianten (Baureihe 109), die von Beginn an auch mit 100 Millimeter längerem Radstand erhältlich sind. Ein besonderes Highlight ist der 1968 präsentierte 300 SEL 6.3. Das Topmodell der Baureihe verfügt über den leistungsstarken V8-Motor der Highend-Limousine Mercedes-Benz 600 und bietet neben höchstem Komfort und luxuriöser Ausstattung Fahrleistungen auf Sportwagenniveau.

Automobile Trendsetter: die Baureihen 116 und 126 (1972 bis 1992)

Die 1972 präsentierte Nachfolge-Baureihe 116 wird erstmals offiziell unter dem Begriff „S-Klasse“ geführt. Damit bringt Mercedes-Benz zum Ausdruck, was seit Jahrzehnten bei den Oberklasse-Limousinen mit dem „S“ in der Typenbezeichnung Programm ist. Die neue Bezeichnung geht einher mit einem ganzen Bündel an Innovationen, die hinsichtlich Sicherheit und Komfort neue Maßstäbe setzen. Zum umfassenden Sicherheitskonzept gehören zum Beispiel ein kollisionsgeschützter Tank, ein Vierspeichen-Sicherheitslenkrad, verschmutzungsarme Seitenscheiben, großflächige Scheinwerfer, auffällige Blinkleuchten und Schmutz abweisende, gerippte Heckleuchten. 1977 beginnt mit dem 300 SD das Dieselzeitalter in der Luxusklasse, zunächst jedoch nur auf den nordamerikanischen Märkten. Der Luxus-Diesel ist zugleich der erste Serien-Pkw mit Turbodieselmotor. Ab 1978 ist die S-Klasse als weltweit erstes Serienfahrzeug mit Anti-Blockier-System (ABS) erhältlich, das die Lenkfähigkeit auch bei einer Vollbremsung sicherstellt. Damals eine Weltsensation, zählt diese richtungweisende Innovation heute zum automobilen Standard aller Fahrzeugklassen. Die S-Klasse unterstreicht ihren Status als Maßstab des Automobilbaus und macht ihre Modellbezeichnung zum Gattungsbegriff für Fahrzeuge der Spitzenklasse.

Der Technologietransfer aus der S-Klasse in die anderen Mercedes-Benz Modellreihen und über die Fahrzeuge des Wettbewerbs bis hin zum allgemeinen Stand der Technik setzt sich auch in der Folgezeit konsequent fort und macht die S-Klasse zu einem wahren Trendsetter. In der 1979 vorgestellten Baureihe 126 hält der Airbag, heute ein zentrales Element der Automobilsicherheit, 1981 Einzug in den Automobilbau. Weitere Merkmale dieser S-Klasse Generation sind die aerodynamisch optimierte Form und die konsequente Gewichtsreduzierung für geringere Schadstoffemissionen, unter anderem durch neue Leichtmetall-V8-Motoren. Akzente setzt die Baureihe 126 auch im Design: Als erster Mercedes-Benz Personenwagen verzichtet sie auf die traditionellen Chrom-Stoßstangen und hat stattdessen verformbare Kunststoff-Stoßfänger, die auch einen Parkrempler unbeschadet überstehen können. Bei ihrem Erscheinen zunächst von manchem Betrachter als nüchtern und schmucklos empfunden, gilt das Design der Baureihe 126 schon bald als zeitlos-elegant.

Luxus in Bestform: die Baureihen 140 und 220 (1991 bis 2005)

Die S-Klasse der Baureihe 140 ist 1991 der neue Mercedes-Benz der Superlative. Seine Entwickler setzen auf maximalen Komfort – unter anderem durch großzügige Abmessungen und Doppelverglasung für eine optimierte akustische Dämmung. Mit den Topmodellen 600 SE und 600 SEL bietet zum ersten Mal ein Mercedes-Benz Serien-Personenwagen einen V12-Motor. Den Start des Leistungsspektrums markiert der 300 SD Turbodiesel, der den Luxusklasse-Diesel nun auch auf Märkten außerhalb Nordamerikas verfügbar macht. Auch diese Generation der S-Klasse führt eine bahnbrechende Sicherheits-Innovation in den Automobilbau ein: das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP®, das seit 1995 in den V12-Versionen zum Serienumfang gehört und für die V8-Modelle optional erhältlich ist. Im Folgejahr kommt der Brems-Assistent BAS hinzu.

Ab 1998 setzt die neue S-Klasse der Baureihe 220 äußerlich eher auf Understatement. Gewichtseinsparung bei weiterer Steigerung von Sicherheit und Komfort gehört zu den wichtigsten Entwicklungszielen. Trotz Verzicht auf die gewichtsintensive Doppelverglasung bietet die neue Modellgeneration einen nochmals gesteigerten Komfort, unter anderem durch die neue elektronisch geregelte Luftfederung AIRMATIC, das Bedien- und Anzeigesystem COMAND und den innovativen Abstandsregeltempomaten DISTRONIC. Das aktive Fahrwerk Active Body Control ABC, das ab 1999 erhältlich ist, reduziert die Wankneigung der Karosserie und ermöglicht damit ein bislang unerreichtes Maß an Fahrkultur. Die Innenraumgestaltung, die erstmals in enger Abstimmung mit dem Exterieur-Design entwickelt wird, sorgt in der S-Klasse für ein hochklassiges Ambiente. Sportlich ambitionierte Kunden spricht der S 55 AMG an: Zum ersten Mal hält ein AMG-Modell offiziell Einzug in die Preisliste der S-Klasse. Auch das reguläre Topmodell ohne AMG-Sportabzeichen, der S 600, erhält im Herbst 2002 einen Leistungsschub und erreicht zum ersten Mal die magische Leistungsgrenze von 368 kW (500 PS). Zur gleichen Zeit startet in der Baureihe 220 eine weitere bahnbrechende Innovation: das vorbeugende Insassenschutzsystem PRE-SAFE®. Mittels dieses Systems leitet das Fahrzeug selbsttätig Maßnahmen ein, um die Passagiere bei einem drohenden Zusammenstoß bestmöglich zu schützen. Im Rahmen der Modellpflege bietet Mercedes-Benz die S-Klasse darüber hinaus zum ersten Mal mit dem intelligenten Allradantrieb 4MATIC an.

Richtungweisende Innovationen: die Baureihe 221 (2005 bis 2013)

Die 2005 präsentierte Modellgeneration 221 verbindet ein expressives Äußeres mit luxuriösem Interieur. Der Controller des weiterentwickelten COMAND-Systems ermöglicht eine schnelle und intuitive Bedienbarkeit der zunehmend komplexen Funktionen und Menüs. Zu den richtungweisenden technischen Innovationen gehören der aktive Nachtsicht-Assistent sowie das weiterentwickelte Abstandsregelsystem DISTRONIC PLUS und der Brems-Assistent Plus, die 2006 zur PRE-SAFE® Bremse mit autonomer Teilbremsung erweitert werden. Weitere Assistenzsysteme wie der Totwinkel-Assistent, der Spurhalte-Assistent und der Geschwindigkeitslimit-Assistent entlasten den Fahrer zusätzlich und bringen die Mercedes-Benz S-Klasse der Vision vom sicheren, unfallfreien Fahren einen weiteren Schritt näher. Zudem setzt diese Generation der S-Klasse erneut Maßstäbe für die Konditionssicherheit.

2009 erscheint die aufgewertete Generation der Baureihe 221. Der S 400 HYBRID ist das erste Fahrzeug der Luxusklasse mit Hybridantrieb und der erste Serien-Personenwagen mit Lithium-Ionen-Batterie. Ein Musterbeispiel für Effizienz sind die 2010 eingeführten Versionen S 350 BlueTEC als Dieselvariante sowie S 350 und S 500 BlueEFFICIENCY mit sparsamen und leistungsstarken Direkteinspritzungs-Ottomotoren. Im S 250 CDI bringt Mercedes-Benz Anfang 2011 erstmals einen hocheffizienten Vierzylindermotor in die S-Klasse. Sein Diesel-Triebwerk ermöglicht Verbrauchswerte auf dem Niveau eines Kleinwagens, bei angemessenen Fahrleistungen und Antriebskomfort. Der Erfolg auch dieser Generation der S-Klasse ist groß: Insgesamt rollen im Werk Sindelfingen bis Mai 2013 fast 550.000 Limousinen der Baureihe 221vom Band.

Mit der S-Klasse in die Zukunft: die Baureihe 222 (2013 bis 2020)

Ab 2013 führt Mercedes-Benz seine über viele Generationen entwickelte Kontinuität in der Luxusklasse und Spitzenklasse mit der S-Klasse der Baureihe 222 in die Zukunft. Sie setzt technische Maßstäbe unter anderem als erstes Auto der Welt, das vollständig auf Glühlampen verzichtet und sowohl im Exterieur als auch im Interieur ausschließlich LED-Licht bietet. Für besondere Effizienz sorgen moderne Antriebe, unter anderem mit Hybrid-Technologie.

Die Entwicklungsschwerpunkte der Baureihe 222 heißen „Intelligent Drive“, „Efficient Technology“ und „Essence of Luxury“. Zum modernen Leitstern der Automobilentwicklung wird die S-Klasse insbesondere durch das System Intelligent Drive. Unter diesem Namen bündelt die Stuttgarter Marke sämtliche vernetzten Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme. Intelligent Drive macht Autofahren noch sicherer und komfortabler als zuvor. Dazu gehören auch Assistenzsysteme, die den Fahrer entlasten und ein teilautonomes Fahren ermöglichen können. Das Forschungsfahrzeug S 500 INTELLIGENT DRIVE zeigt bereits im August 2013 auf der historischen Bertha-Benz-Route von Mannheim nach Pforzheim, wie die Zukunft des autonomen Fahrens durch solche vernetzten Technologien aussehen kann: Seine Systeme bewältigen die hoch komplexen Anforderungen einer autonomen Fahrt über Landstraßen und durch den Stadtverkehr. Zu den S-Klasse Limousinen kommen 2014 ein Coupé und 2015 ein Cabriolet. Die Mercedes-Maybach S-Klasse hat 2014 Premiere, und der Mercedes-Maybach S 600 Pullman wird 2015 präsentiert.

Einen weiteren großen Schritt hin zum autonomen Fahren macht die nächste Entwicklungsstufe von Intelligent Drive in der modellgepflegten Variante der Baureihe 222, die im Sommer 2017 vorgestellt wird: So unterstützen der Aktive Abstands-Assistent DISTRONIC und der Aktive Lenk-Assistent den Fahrer beim Abstandhalten und Lenken nun noch komfortabler. Die S-Klasse passt ihre Geschwindigkeit beispielsweise in Kurven und vor Kreuzungen oder Kreisverkehren automatisch an. Möglich wird das, weil weiter verbesserte Kamera- und Radarsysteme die Umgebung beobachten und erstmals auch Karten- und Navigationsdaten in die Berechnung des Fahrverhaltens mit einbezogen sind. Der Fahrer ist über den Bildschirm des Kombiinstruments und im Head-up-Display jederzeit darüber informiert, welche Assistenzfunktionen gerade aktiv sind. Das innovative Intelligent Drive System von Mercedes-Benz ist modular aufgebaut. Zur Serienausstattung der S-Klasse der Baureihe 222 ab Modelljahr 2017 zählen der Aktive Brems-Assistent, der Seitenwind-Assistent, ATTENTION ASSIST, der Verkehrszeichen-Assistent, das Insassenschutzsystem PRE-SAFE® und das neue PRE-SAFE® Sound.

Lade...