Unter der Lupe: Stationäre Energiespeicher: Aus dem Auto ans Netz: Daimler baut Geschäftsfeld mit stationären Energiespeichern sukzessive aus

13.06.2016
Stuttgart

Nicht nur auf der Straße beschleunigt Daimler die Energiewende: Das Unternehmen bietet mit seinen Tochterunternehmen Deutsche ACCUMOTIVE GmbH und Co. KG und der Mercedes-Benz Energy GmbH neben effizienten Batteriesystemen für Elektro- und Plug-in-Fahrzeuge auch stationäre Energiespeicher für industrielle Anwendungen und Privathaushalte an. Und denkt Elektromobilität in innovativen Projekten konsequent weiter: So erhalten gebrauchte Batterien aus Elektroautos beispielsweise als so genannte 2nd-Use-Batteriespeicher ein zweites Leben außerhalb des Fahrzeugs. Auch ein „lebendes Ersatzteillager“ für Batteriesysteme der aktuellen smart electric drive Flotte dient dem Schwankungsausgleich im deutschen Stromnetz. Diese effiziente Doppelnutzung verbessert die Umweltbilanz sowie die Lebenszykluskosten der E-Mobilität.

Mit dem Einstieg in das Geschäftsfeld der stationären Energiespeicher für Industriekunden und private Anwendungen hat sich die Daimler AG mit ihren 100-prozentigen Tochtergesellschaften Deutsche ACCUMOTIVE GmbH und Co. KG und der gerade gegründeten Mercedes-Benz Energy GmbH neue Wachstumschancen eröffnet und trägt aktiv zur Energiewende auch auf dem nicht-automobilen Sektor bei.

Die Deutsche ACCUMOTIVE entwickelt, produziert und vertreibt hochkomplexe Antriebsbatterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und smart auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie. Ihr umfangreiches Batterie-Know-how im automobilen Sektor kommt dabei nun auch dem Geschäftsfeld mit stationären Batteriespeichern zu Gute: Denn was sich auf Millionen von Kilometern unter widrigsten Bedingungen wie Hitze und Kälte bewährt hat, bietet auch für einen stationären Einsatz die besten Voraussetzungen.

Innerhalb des innovativen Geschäftsmodells übernimmt die kürzlich gegründete Mercedes-Benz Energy GmbH ab sofort die Entwicklung und den weltweiten Vertrieb von stationären Energiespeichern der Marke Mercedes-Benz. Damit agiert Daimler noch fokussierter im wachsenden Markt für stationäre Batterien. Für das stationäre Speichergeschäft bedeutet die Selbständigkeit einen Zugewinn an Flexibilität. Insbesondere hinsichtlich der Kundenansprache entstehen klare Vorteile, denn im Vergleich zur Automobilsparte ist die Kundengruppe für Mercedes-Benz Energiespeicher sehr breit gefächert: Sie reicht von Privathaushalten bis hin zur Großindustrie.

Der erste Lithium-Ionen-Speicher im industriellen Maßstab ist bereits am Netz und wird von den Partnerunternehmen The Mobility House AG und GETEC Energie AG betrieben. Die Möglichkeiten für stationäre Energiespeicher sind vielfältig, denn das Konzept geht weit über den großindustriellen Einsatz hinaus. Der Betrieb im mittelständischen Gewerbe, wie beispielsweise Supermärkten, gehört ebenfalls zum Geschäftsmodell, das gemeinsam mit Daimler Business Innovation, dem Daimler Think Tank für neue Geschäftsideen, entwickelt wurde. Auch dort können die stationären Energiespeicher Verbrauchsspitzen, etwa an heißen Tagen, abpuffern.

Zudem eignen sich Mercedes-Benz Energiespeicher auch für die private Nutzung. Ende April 2016 hat die Daimler AG mit der Auslieferung dieser Energiespeicher Home begonnen. Bis zu acht Batteriemodule mit einem Energieinhalt von jeweils 2,5 kWh können zu einem Energiespeicher mit bis zu 20 kWh kombiniert werden. So lässt sich in Haushalten, die über eine eigene Photovoltaikanlage verfügen, der überschüssige Solarstrom nahezu verlustfrei zwischenspeichern. Private Hauseigentümer können durch die Verbindung von regenerativen Energiequellen und einem lokalen Batteriespeicher ihren Eigenverbrauch an Strom auf bis zu 65 Prozent steigern und somit ihre eigene „private Energiewende“ gestalten.

Weiterverwendung ausrangierter Akkus aus Elektroautos

Der Lebenszyklus einer Plug-in- oder E-Fahrzeug-Batterie muss nicht mit dem Automobilbetrieb enden, sie lassen sich für stationäre Batteriespeicher weiterverwenden. Denn bei dieser Anwendung kommt es auf geringe Leistungsverluste nicht an, sodass ein wirtschaftlicher Betrieb im stationären Bereich für schätzungsweise mindestens zehn weitere Jahre möglich ist. Durch die Weiterverwendung der Lithium-Ionen-Module lässt sich deren wirtschaftliche Nutzung also quasi verdoppeln.

Der größte 2nd-Use-Batteriespeicher der Welt wird gerade im westfälischen Lünen aufgebaut. Systeme aus smart electric drive Fahrzeugen der zweiten Generation werden in Lünen zu einem Stationärspeicher mit einer Kapazität von insgesamt 13 MWh gebündelt. Ein Joint Venture der Partner Daimler AG, The Mobility House AG und GETEC wird den Stationärspeicher noch in diesem Jahr auf dem Gelände der REMONDIS SE in Betrieb nehmen und am deutschen Primärregelenergiemarkt vermarkten.

Ersatzteillager als Energiespeicher

Und auch Batteriesysteme, die noch nicht in Elektroautos zum Einsatz kamen, sondern als Ersatzteile vorgehalten werden, lassen sich als Energiespeicher zweitverwenden. Noch in diesem Jahr werden die Kooperationspartner Deutsche ACCUMOTIVE und enercity (Stadtwerke Hannover AG) mit dem Bau eines neuen Batteriespeichers beginnen. Die Besonderheit: Es handelt sich um ein Ersatzteillager für elektromobile Batteriesysteme. Rund 3.000 der für die aktuelle smart electric drive Fahrzeugflotte vorgehaltenen Batteriemodule werden am enercity-Standort Herrenhausen zu einem Stationärspeicher gebündelt. Mit einer Speicherkapazität von insgesamt 15 MWh ist die Anlage eine der größten Europas. Der Energiespeicher wird nach Fertigstellung am deutschen Primärregelenergiemarkt (PRL) vermarktet.

Dadurch leistet das Geschäftsmodell einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes und zur Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität. Bei zunehmenden Schwankungen der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien, wie Wind und Sonne, dienen solche Speicher zur optimalen Ausregelung einer konstant zu haltenden Netzfrequenz.

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